Lärmschutz, die Siedlung Auenheim und Waldflächen der Stadt Bergheim sind Themen der 18. Forumssitzung



Bergheim-Niederaußem, 21. Januar 2014.Welche Maßnahmen zum Lärmschutz hat RWE am Bahnhof Niederaußem umgesetzt? Wie ist die aktuelle Situation im Stadtteil Auenheim? Und welche Auswirkungen hat der Tagebau auf die Waldflächen rund um die Stadt Bergheim? Über diese und viele weitere Fragen informierten sich die Mitglieder des Nachbarschaftsforums Niederaußem auf ihrer 18. Sitzung am 21. Januar 2014.

Seit 2012 beschäftigt sich das Nachbarschaftsforum mit den Fragen rund um den Bahnlärm am Bahnhof Niederaußem. Seitdem hat RWE verschiedene Maßnahmen zum Lärmschutz durchgeführt, die Oliver Röggener, Leiter des Eisenbahnbetriebs bei RWE, den Forumsmitgliedern vorstellte: Nachts würden beispielsweise Rangierbewegungen am Bahnhof Niederaußem vermieden, es fänden keine Instandsetzungsarbeiten an Sonn- und Feiertagen statt und Züge führen nun direkt in den Bahnhof ein, ohne zuvor geräuschintensiv abzubremsen und wieder anzufahren. Die Rangiergeschwindigkeit wurde auf 25 Stundenkilometer begrenzt, Rangier- und Schwerlastlokomotiven mit  sogenannten „Flüsterbremsen“ ausgestattet. Zwei unabhängige Gutachten hätten bestätigt, dass durch den Bahnbetrieb keine Schädigungen der Bausubstanz erfolgt seien und dass die gemessenen Geräusche unter den zulässigen Grenzwerten lägen. Auch mehrere Forumsmitglieder bestätigten, dass die Lärmbelastung und damit auch die Beschwerden der Anwohner deutlich abgenommen hätten – die Maßnahmen also tatsächlich greifen würden.

Zum geplanten Rückbau der Werkhaussiedlung im Stadtteil Auenheim diskutierte das Forum unterschiedliche Standpunkte: Michael Hennemann, Leiter Liegenschaftsprojekte bei RWE, stellte die ersten Ergebnisse der Dorfwerkstatt vor, die Pläne für die freiwerdende Fläche entwickelt. Er vertrat die Auffassung, eine Sanierung bzw. Neubau der Häuser sei nicht sinnvoll – zumal die Lage der Siedlung auch keine beliebte Wohnlage sei. Darum seien der Rückbau und die damit verbundene Umsiedelung der Bewohner unumgänglich. Enttäuscht, auch vom Vorgehen der WBG/GSG und von RWE, zeigte sich ein betroffener Anwohner der Siedlung. Die Wohnungsbaugesellschaft hätte über Jahrzehnte ihre Vermieterpflicht vernachlässigt und notwendige Instandhaltungen nicht vorgenommen. Den dadurch entstandenen Investitionsstau müssten jetzt die Mieter ausbaden. Er und viele weitere Bewohner der Werkhaussiedlung hätten das Vertrauen verloren. Hennemann sagte zu, das Gespräch mit den Betroffenen fortzuführen und sie im weiteren Prozess zu begleiten.

Ab Ende Februar liegt voraussichtlich der Entwurf der Unterlagen des Bauleitplanverfahrens für ein neues Braunkohlekraftwerk am Standort Niederaußem (BoAplus) zur Einsicht und Stellungnahme aus. Darüber informierte Dr. Hans-Peter Schiffer, Leiter Genehmigung und Umweltschutz bei RWE Power, die Forumsteilnehmer.

Daneben ging er auf die Entwicklung der Flächen im rekultivierten Tagebau Bergheim ein, die schon mehrfach Thema im Forum waren: Schon länger stand der Vorwurf im Raum, die Waldflächen rund um Bergheim hätten sich durch den Tagebau deutlich verringert. Eine vom Forum angeforderte Stellungnahme der Stadt Bergheim dazu belegte jetzt, dass die Waldflächen im Bereich der ehemaligen Tagebaue Bergheim und Fortuna-Garsdorf (Bethlehemer Wald) im Vergleich sogar gewachsen seien. Dr. Schiffer ergänzte, RWE habe bereits rund 550 Hektar wieder aufgeforstet, die übrige Fläche solle landwirtschaftlich genutzt werden.

Aus Anlass von Medienberichten über eine gestiegene Braunkohleproduktion erläuterte Tilman Bechthold von RWE, dass zwar das Kraftwerk Niederaußem mehr Strom und damit auch mehr CO2-Ausstoß produziert habe. Im gesamten Rheinischen Revier jedoch seien Kohleverbrauch und CO2-Ausstoß gesunken. Das zeige, so Bechtold, dass das Kraftwerkserneuerungsprogramm von RWE auf dem richtigen Weg sei.

Außerdem als Referenten geladen waren Claudia Betzing und Thorsten Zimmermann von der IHK Köln: Sie stellten die Initiative In|du|strie – Gemeinsam.Zukunft.Leben. vor, eine Akzeptanzoffensive der Industrie in der Wirtschaftsregion Köln.

Die nächste Sitzung des Nachbarschaftsforums Niederaußem findet am 23. September 2014 statt. Themen der 19. Sitzung werden der Tagebau im Rheinischen Revier sowie der aktuelle Stand des Genehmigungsverfahrens sein.

 

Im Nachbarschaftsforum sitzen Vertreter von Gemeinden, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen und Verbänden aus der Region an einem Tisch. Sie tauschen sich zu unterschiedlichen lokalen, aber auch übergreifenden Themen rund um das Braunkohlenkraftwerk Niederaußem aus und gehen offen mit Interessenkonflikten um.