10 Jahre Dialog für eine gute Nachbarschaft: NBF Niederaußem zieht Bilanz und blickt in die Zukunft



Anlässlich seines 10-jährigen Jubiläums blickte das Nachbarschaftsforum Niederaußem auf die gemeinsame, erfolgreiche Arbeit zurück. In insgesamt bislang 29 Sitzungen haben sich die Teilnehmer über energiewirtschaftliche und -politische Fragen ausgetauscht und die Perspektiven des Standorts diskutiert. Nachdem RWE die Planungen für das Neubauprojekt BoAplus eingestellt hat, wird der Schwerpunkt des Austauschs künftig stärker auf den Bestandsanlagen in Niederaußem, den Forschungsaktivitäten im Innovationszentrum Kohle und dem Verhältnis Kraftwerk – Umfeld liegen.

29 Sitzungen, 25 Mitglieder, zahlreiche Gespräche und Meinungen: Seit 2009 treffen sich im Nachbarschaftsforum Niederaußem Vertreter von Kommune, Gewerkschaften, Vereinen, Bürgerinitiativen und Verbänden aus der Region, um über Themen rund um das Braunkohlekraftwerk Niederaußem und dessen weitere Entwicklung zu diskutieren. „Nach zehn Jahren erfolgreicher Forumarbeit haben wir uns dazu entschieden, das Nachbarschaftsforum Niederaußem in veränderter Form weiterzuführen und in die eigenen Hände zu nehmen. Wir danken der Agentur IFOK für die langjährige Unterstützung und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Auch nach der Einstellung der Planungen für das Neubauprojekt BoAplus ist uns ein regelmäßiger und intensiver Dialog mit unseren Nachbarn sehr wichtig“, erklärte Kraftwerksleiter Dr. Michael Wagner. Seit April 2019 wird der neue Braunkohlenkraftwerksblock (BoAplus) am Standort Niederaußem nicht mehr weiter verfolgt. RWE werde daher die weiteren Entwicklungen rund um die Braunkohle in der Region, das bestehende Kraftwerk und aktuelle Belange in den Mittelpunkt des Forums rücken. Auch die Mitglieder des Forums lobten die neutrale Moderation und hoben den entscheidenden Beitrag von IFOK für den konstruktiven Austausch im Forum hervor.

Das Nachbarschaftsforum Niederaußem richtete den Blick in seiner 29. Sitzung außerdem auf innovative Ansätze, mit denen der Energiekonzern das Zusammenspiel von Braunkohleverstromung und regenerativ erzeugtem Strom weiter entwickeln will. Dr. Tobias Ginsberg, Referent Forschung und Entwicklung RWE Power, betonte die zentrale Bedeutung einer sektorübergreifenden Zusammenarbeit: „Zum Gelingen der Energiewende müssen alle Sektoren beitragen – Energiewirtschaft, Verkehr, Industrie, Gebäude- und Landwirtschaft. Durch intelligente Kopplung lassen sich die CO2-Emissionen deutlich senken und eine große Flexibilität in der Nachfrage erreichen, zum Beispiel durch Nutzung von Energiespeichern außerhalb des Elektrizitätssektors. Im Bereich Forschung und Entwicklung am Standort Niederaußem arbeiten wir daher an verschiedenen Projekten mit sektorübergreifendem Nutzen mit dem Ziel einer geschlossenen Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft.“

Ein Schlüsselprojekt ist „MefCO2 – Methanol fuel from CO2“ (auf Deutsch „Methanol-Treibstoff aus CO2“), ein von der EU gefördertes und kürzlich abgeschlossenes Projekt, an dem RWE und acht weitere EU-Partner teilgenommen hatten. Die MefCO2-Anlage im Innovationszentrum Niederaußem produzierte täglich bis zu einer Tonne Methanol – aus Rauchgas und Wasser. „Eine CO2-Wäsche trennt das CO2 aus dem Rauchgas des Kraftwerks ab. Der ebenfalls benötigte Wasserstoff wird mit einem Elektrolyseur aus Wasser gewonnen“, erläuterte Dr. Ginsberg das Vorgehen. „Wir zeigen mit der Anlage ein Verfahren, mit dem Strom aus erneuerbaren Quellen über den Zwischenschritt Wasserstoff in einen Treibstoff umgewandelt werden kann, der aufgrund seiner hohen Energiedichte gut langfristig gespeichert und der über viele Sektoren hinweg genutzt werden kann: als Fahrzeug-Kraftstoff, als Rohstoff für die chemische Industrie oder via Rückverstromung zur Überbrückung von Dunkelflauten.“

Weitere aktuelle Themen des Forums

Im weiteren Verlauf informierte sich das Nachbarschaftsforum über den Stand der Umsetzung der Empfehlungen der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung”. Ende Januar legte die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission ihren Abschlussbericht vor, in dem sie vorschlägt, Braun- und Steinkohlekraftwerke schrittweise vom Netz zu nehmen und bis 2038 ganz aus der Kohleverstromung auszusteigen. „Unser Ziel lautet: Energiewende mit Versorgungssicherheit“, so Jörg Kerlen, Leiter Regionale Kontakte und Energiepolitik bei RWE Power AG. „Wir setzen auf die erneuerbaren Energien. Aber klar ist auch, dass die Erneuerbaren neue und leistungsstarke Technologien als Unterstützung benötigen.“ Die Empfehlungen der Kommission zum Kohleausstieg erforderten umfangreiche Anpassungen bei den Kraftwerken, im Tagebau und in der Veredlung, so Kerlen weiter. „Hier erhoffen wir uns wichtige Weichenstellungen von den laufenden Verhandlungen mit der Bundesregierung – je eher, je lieber. Denn wir brauchen Planungssicherheit.“ In diesem Zusammenhang diskutierten die Forumsteilnehmer auch das Strukturstärkungsgesetz für die Kohleregionen, das insgesamt bis zu 40 Milliarden Euro bis 2038 für den Strukturwandel in den betroffenen Regionen vorsieht.

Die nächste Sitzung des Nachbarschaftsforums Niederaußem findet im ersten Quartal 2020 statt.