Fokus Energiewende: Forum informiert sich über die Bildung von Strompreisen

Bergheim-Niederaußem, 8. Oktober 2013. Der deutsche Strommarkt und die Bildung des Strompreises waren Schwerpunktthemen der siebzehnten Sitzung des Nachbarschaftsforums Niederaußem. Außerdem auf der Agenda: eine Mieterversammlung in einer Siedlung von Auenheim, die neue Gesellschaftsstruktur von RWE, die Situation im Tagebau Hambach und viele weitere Themen.

„Versorgungssicherheit – das ist eine der ganz großen und wichtigen Herausforderungen, wenn es um das Thema Strom und Energiewende geht“, so Lisa Schaupp, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Energiewirtschaftlichen Institut der Universität zu Köln. „Die Stromversorgung muss in jedem Fall gewährleistet sein – auch im Winter in den Abendstunden, wenn die Nachfrage hoch ist und gleichzeitig kein Wind weht.“ Die Wissenschaftlerin hielt auf Einladung des Nachbarschaftsforums Niederaußem im Rahmen der 17. Sitzung des Forums einen Vortrag zum deutschen Strommarkt und der Bildung des Strompreises. Sie erläuterte den Forumsteilnehmern, wie die Strombörse arbeitet, erklärte das Zusammenspiel von Strom-Angebot und -Nachfrage und dessen Auswirkungen auf den Strompreis. Besonders interessierte die Forumsteilnehmer die Frage, welche Auswirkungen die Erneuerbaren Energien nach Meinung der Expertin auf den Strompreis für private Endverbraucher haben. „Hier gibt es gegenläufige Effekte“, erläuterte die Referentin. „Die Kosten für die Stromproduktion machen gerade einmal 30 Prozent des Strompreises aus – mehr als zwei Drittel sind auf Steuern, Abgaben und Kosten für die Nutzung der Stromnetze zurückzuführen.“

Der Vortrag war Auftakt für eine lebhafte Diskussion, die sich vor allem mit den Fragen nach der wirtschaftlichen Situation der Stromerzeuger und den Strompreisen für Kunden befasste. Warum gilt für den Großhandel ein anderer Strompreis als für den Endverbraucher? Wenn nicht länger Angebot und Nachfrage nach Strom den Verkaufspreis an der Strombörse bestimmen sollen, sondern auch die Vorhaltung von Kapazitäten einen Preis erhielte – wie sähe dann ein entsprechendes Marktdesign aus? Ist die Flexibilisierung der Nachfrage möglicherweise Teil der Antwort? Das Forum diskutierte auch darüber, ob angesichts der erheblichen Schwankungen bei Verbrauch und Einspeisung nicht eine tageszeitabhängige Tarifierung – sowohl für die Abnahme als auch für die Einspeisung von Strom – eine Lösung sei: Dazu müsse jeder Haushalt mit entsprechender Technik ausgestattet werden, so die Referentin.

Neben diesem Schwerpunktthema beschäftigte sich das Forum mit aktuellen Themen: Ortsbürgermeister Ralf Czense berichtete dem Forum von einer Mieterversammlung von zwei Wohnsiedlungen im Stadtteil Auenheim, die abgerissen werden sollen. In den betroffenen Häusern lebten noch etwa 250 bis 300 Menschen, die daraufhin umgesiedelt werden müssten. Hier seien noch viele Fragen zu klären. Er berichtete, dass die Bürger von Auenheim eine Bürgerwerkstatt ins Leben gerufen hätten, die Ideen für die Nutzung der frei werdenden Fläche entwickle. Bei der Umsetzung dieser Ideen wünsche er sich Unterstützung von RWE.

Zwei Forumsmitglieder berichteten über Hinweise auf Lärmbelästigung durch Bandanlagen und durch häufigeres Auslösen der Sicherheitsventile. Kraftwerksleiter Tilman Bechthold erwiderte, es hätte kein gestiegenes Aufkommen an entsprechenden Vorkommnissen und Beschwerden gegeben. Er wies auf das Beschwerdetelefon hin, über das solche Vorkommnisse zeitnah gemeldet werden können. Außerdem informierte Bechthold die Forumsteilnehmer darüber, dass in den bereits stillgelegten Blöcken A und B der zugesagte Rückbau strategischer Komponenten mit der Demontage der Turbinen bis Ende des Jahres vollzogen werde.

Das Genehmigungsverfahren für BoAplus, so Dr. Hans-Peter Schiffer, Leiter Genehmigung und Umweltschutz bei RWE Power, verlaufe planmäßig: am 5. Juli 2013 wurde der Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Regionalplans beschlossen. Der nächste Schritt sei nun die Offenlage und Trägerbeteiligung im Rahmen der Bauleitplanung der Stadt Bergheim. Im Zusammenhang mit der neuen Gesellschaftsstruktur von RWE erläuterte Jörg Kerlen von RWE Power, diese habe keine Auswirkungen auf die Höhe der Abgaben an die Stadt Bergheim, da sich die Gewerbesteuer nach dem Kraftwerksstandort richte.

Außerdem Thema im Forum war die Deponierung von Kraftwerksasche und REA-Gips. Hierzu verwies Dr. Schiffer auf öffentliche Kataster, die aufführen, wo Asche gelagert wurde und wird. Darüber hinaus sei Braunkohleasche kein gefährlicher Abfall, so dass keine negativen Auswirkungen zu befürchten seien.

Die nächste Sitzung des Nachbarschaftsforums Niederaußem findet am 21. Januar 2014 statt. Themen der 18. Sitzung werden Genehmigungsverfahren für die Tagebaue im rheinischen Revier sein.


Im Nachbarschaftsforum sitzen Vertreter von Gemeinden, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen und Verbänden aus der Region an einem Tisch. Sie tauschen sich zu unterschiedlichen lokalen, aber auch übergreifenden Themen rund um das Braunkohlenkraftwerk Niederaußem aus und gehen offen mit Interessenkonflikten um.