Ausblick auf das Jahr 2050: Forum diskutiert zur Zukunft der Energieregion

Bergheim, 28. Oktober 2010. Das Nachbarschaftsforum Niederaußem hat sich beim fünften Treffen mit dem Energiekonzept der Bundesregierung auseinandergesetzt. Außerdem informierten sich die Forumsmitglieder über die Fernwärmeversorgung im Raum Aachen, den Anteil der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien im RWE-Konzern sowie zur Planung der Biogasanlage im Gewerbepark Paffendorf.

Prof. em. Dr. Dieter Schmitt, emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Energiewirtschaft an der Universität Essen, setzte sich kritisch mit dem Energiekonzept der Bundesregierung auseinander und erläuterte in diesem Zusammenhang insbesondere die vielen Annahmen und Voraussetzungen, die diesem Konzept zugrunde liegen. Daraus resultierten insgesamt erhebliche Ungewissheiten, auch im Hinblick auf den Wechsel zu erneuerbaren Energien, wodurch die Bereitschaft der Energieunternehmen, die notwendigen langfristigen Investitionen zu tätigen, in entscheidendem Maße beeinträchtigt werden dürfte.

Professor Schmitt hinterfragte die angestrebte Verlängerung der Restlaufzeiten von Atomkraftwerken, die Voraussetzungen für die technologische Entwicklung, die möglichen Fortschritte im Hinblick auf den Abschluss eines neuen internationalen Klimaschutzabkommens sowie die zeitnahe Erfüllung der infrastrukturellen Voraussetzungen für den angestrebten Zubau regenerativer Energieträger. "Das Hauptproblem des Energiekonzepts wird jedoch nicht bei der Wirtschaft oder bei den Technologien liegen, sondern vor allem in  der  Akzeptanz", sagte Professor Schmitt. Er riet dazu, die Auswirkungen veränderter Annahmen zu simulieren und daraus Rückschlüsse für eine flexible Anpassung des Energieprogramms abzuleiten und hierbei eine stärkere Fokussierung auf die uns unmittelbar bevorstehenden Jahrzehnte zu legen. Dabei gelte es, mehrere zur Verfügung stehende und belastbare Optionen der Energieerzeugung offen zu halten.

Die Forumsmitglieder interessierten sich auch für die Zukunft der Braunkohle im Jahr 2050. Laut Energiekonzept werde die Braunkohle dann keine Rolle mehr spielen, auch wenn noch Ressourcen in der Erde vorhanden seien, erläuterte Professor Schmitt. Tilman Bechthold, Leiter des Kraftwerks Niederaußem, äußerte Zweifel daran, dass das im Energiekonzept beschriebene Szenario tatsächlich Wirklichkeit werde.

Mit Blick auf ihre eigene Region informierten sich die Mitglieder des Nachbarschaftsforums auch zur Fernwärmeversorgung im Raum Aachen, zum Anteil der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien im RWE-Konzern sowie zur Planung der Biogasanlage im Gewerbepark Paffendorf.

Dr. Hans-Peter Schiffer von der RWE Power AG erläuterte, dass die geplante Biogasanlage in Paffendorf eine Feuerungswärmeleistung von 7,5 Megawatt haben werde. Die Wertschöpfung solle in  Zusammenarbeit mit Landwirten aus der Region erfolgen. Das Grundstück sei bereits Ende 2009 erworben worden, die Genehmigung werde für das Jahr 2011 erwartet.

Tilman Bechthold erläuterte im Forum die Fernwärmeversorgung durch das Kraftwerk Weisweiler im Raum Aachen. Zu den Kunden des Kraftwerks zählten die Städte Aachen und Eschweiler, das Forschungszentrum Jülich und die Gemeinde Inden, sagte Bechthold. Im Jahr 2009 seien insgesamt 409.000 Megawattstunden Fernwärme aus dem Kraftwerk Weisweiler in das Netz eingespeist worden, die meiste Fernwärme sei an die Stadt Aachen geliefert worden.

Jörg Kerlen von der RWE Power AG informierte das Forum über den Anteil der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien beim RWE-Konzern. Im Jahr 2009 produzierte der Konzern insgesamt 187,2 Mrd. Kilowattstunden Strom, davon entfielen 6,5 Mrd. auf erneuerbare Energien. Bis zum Jahr 2016 wolle RWE in Deutschland mehr als 4 Mrd. Euro in erneuerbare Energien investieren, den größten Teil davon in Windkraft, sagte Kerlen. In der kommenden Sitzung am 8. Februar 2011 befasst sich das Nachbarschaftsforum Niederaußem mit der Nutzung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS-Technologie).