Blick auf BoAplus: Forum diskutiert über Standortwahl und Umweltauswirkungen

Bergheim-Niederaußem, 22. November 2011. Mit der Standortwahl für das Projekt BoAplus und den Umweltauswirkungen der Kraftwerkserneuerung auf die Umgebung hat sich das Nachbarschaftsforum Niederaußem befasst.

Die Kriterien für die Standortwahl erläuterte der Leiter des Kraftwerks Niederaußem, Tilman Bechthold. In Niederaußem sei eine kapazitätsgleiche Stilllegung bestehender Blöcke möglich, zudem bestehe am Standort ein Bedarf zur Erneuerung alter Kraftwerksblöcke. "Wir haben in Niederaußem den Vorteil, dass wir weitestgehend die vorhandene Infrastruktur nutzen können", betonte Bechthold. Wichtig sei aber auch eine möglichst geringe Belastung für die Nachbarschaft. Er erläuterte den Teilnehmern, dass die Erneuerung nicht auf bestehenden Flächen vorgenommen werden könne, da die Leitungen und Förderbänder durch das ganze Gelände verlaufen und nicht für die Zeit eines Umbaus stillgelegt werden könnten. Daher solle letztmalig eine Anschlussfläche genutzt werden. "Aus unserer Sicht ist Niederaußem der optimale Standort", sagte der Kraftwerksleiter.

Bechthold erläuterte den Forumsmitgliedern, dass andere Standorte die Kriterien nicht erfüllten. "Frimmersdorf ist grundsätzlich ein geeigneter Standort für eine weitere Anlage, aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt", sagte er. So sei dort eine hohe Investition notwendig, da die vorhandene Infrastruktur ausgebaut werden müsste. In Frimmersdorf sei keine kapazitätsgleiche Stilllegung möglich, im Vergleich zu Niederaußem bestehe zurzeit kein Erneuerungsbedarf bei den 300-MW-Blöcken. Eine Erneuerung auf den bestehenden Kraftwerksflächen sei ebenfalls nicht möglich. In Neurath würde ein Neubau laut Bechthold zu einer Standortkonzentration führen. "Das würde dem Gedanken der Dezentralisierung widersprechen", sagte er.

Die Umweltauswirkungen der Kraftwerkserneuerung auf die umliegenden Orte erläuterte Dr. Hans-Peter Schiffer von der RWE Power AG. Dazu stellte Schiffer die Technik des geplanten Hybridkühlturms vor, der eine Verschattung durch Kühlturmschwaden im Umfeld des Kraftwerks reduzieren solle. Außerdem werde der Neubau bestmöglich in das Landschaftsbild eingepasst, indem Kühlturm und Kesselhaus niedriger geplant seien. Schiffer zeigte den Forumsteilnehmern am Beispiel von Schwefeloxiden, Stickoxiden, Staub und Kohlenmonoxid, dass mit dem Neubau von BoAplus und den geplanten Stilllegungen der alten Blöcke die tatsächlichen Emissionen des Kraftwerks reduziert werden. Die Emissionen lägen laut Schiffer deutlich unter den genehmigten Grenzwerten.

Das Nachbarschaftsforum diskutierte kontrovers über die vorgestellten Planungen am Standort Niederaußem. Hans-Joachim Gille von der Bürgerinitiative Big BEN sprach sich gegen eine Erweiterung der Kraftwerksfläche am Standort Niederaußem aus. So befürchtete er unter anderem weiterhin eine Belastung durch die Schwaden des Kühlturmes, die vor allem die Landwirte treffe. Andere Teilnehmer verwiesen auf die Belastungen für die umliegenden Orte durch Lärm und Staub bei der Anlieferung der Kohle. Zusätzliche Auswirkungen auf das Umfeld erwarteten sie für die Bauphase des neuen Kraftwerksblocks. Kraftwerksleiter Bechthold sicherte auf Anregung des Forums zu, dass die Bürgerinnen und Bürger über Details und wichtige Schritte in der Planungsphase auch durch spezielle Veranstaltungen informiert werden. Aus wirtschaftlicher Sicht argumentierte Rolf Kremer, Ortsbürgermeister von Niederaußem. Er sprach sich dafür aus, den Kraftwerksstandort Niederaußem und damit auch Arbeitsplätze in der Region zu erhalten.

In der zehnten Sitzung zog das Forum auch eine Bilanz seiner bisherigen Arbeit. So verabschiedeten die Teilnehmer einen Zwischenbericht, der einen Überblick zu den behandelten Themen und den Aktivitäten des Nachbarschaftsforums gibt. Der Bericht wird Ende des Jahres auf der Website des Nachbarschaftsforums unter www.nf-niederaussem.de abrufbar sein.

In der kommenden Sitzung am Dienstag, 24. Januar 2012, beschäftigt sich das Nachbarschaftsforum Niederaußem mit der Frage der Lärmbelastung im Umfeld des Kraftwerks.