Entwicklungen des Energiemarkts und Auswirkungen auf die Planungen vor Ort

Niederaußem, 18. Mai 2010. Das Nachbarschaftsforum tauschte sich beim dritten Treffen zu Parametern für die Planungen der RWE Power AG am Standort Niederaußem aus und diskutierte die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Neben Fragen zu den Marktanforderungen und den gesetzlichen Vorgaben sowie zur verfügbaren Technik ging es auch um die Entwicklung des Energiebedarfs. Außerdem Thema: Stromerzeugungskosten verschiedener Energieträger.

Dr. Hubertus Bardt, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, erläuterte energiewirtschaftliche sowie politische Rahmenbedingungen: Wie wird sich der Energiebedarf verändern? Und welchen Anteil hat die Industrie daran? Welche Kosten entstehen bei der Stromerzeugung? Zu beobachten sei, dass die Energieintensität seit 1991 abgenommen habe, während das Bruttoinlandsprodukt gestiegen sei. Dennoch sei davon auszugehen, dass die verfügbar gesicherte Leistung in 2030 den Strombedarf in Spitzenzeiten nicht decken könne. Dies sei von besonderer Brisanz, weil in Deutschland die energieintensiven Branchen im europäischen Vergleich stark vertreten seien.

Laut Dr. Hans-Peter Schiffer, RWE Power AG, müssten sowohl generelle als auch besondere Bedingungen bei den Planungen in Niederaußem beachtet werden. Dazu gehörten u. a. Markt, Technik, Standort, gesetzliche Anforderungen sowie Wirtschaftlichkeit. Vor allem in Bezug auf Anforderungen des Regionalrats und der Kommunen, arbeite RWE an einem Gesamtkonzept, dass die einzelnen Punkte des Forderungskatalogs, wie Neubau, Stilllegung, Abriss, architektonische Gestaltung, Baustelleneinrichtung oder Verkehr aufgreife. RWE strebe an, dieses Konzept u. a. im Forum vorzustellen.

RWE plane, z .B. eine Verkehrsprognose in Auftrag zu geben, um die Verträglichkeit für die Bevölkerung zu gewährleisten. Weiter gehe RWE davon aus, dass sich ändernde Rahmenbedingungen wahrscheinlich nicht auf die geplanten Stilllegungen auswirken würden. Zudem werde die Modernisierung einzelner Kraftwerke je nach Verfügbarkeit moderner Technik vorangetrieben, auch um eine flexible Stromerzeugung zu ermöglichen. Mit Blick auf eine CO2-neutrale Stromerzeugung stimmte das Forum darin überein, dass die CCS-Technologie in der Öffentlichkeit unter Akzeptanzproblemen leidet.

Daneben ging es auch um Flächenverbrauch und Verschattung, also insbesondere um Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung und die Landwirtschaft. Bislang haben Messungen keine Auswirkungen auf die Landwirtschaft feststellen können. Man werde aber die Messungen weiterhin fortsetzen.

Weiterhin ging es auch um den Kohleeinsatz im Kraftwerk. Hier sei laut Dr. Ruth Hausmann, BIG BEN, eine Diskrepanz zwischen den Vorgaben des Kraftwerkserneuerungsprogramms und den tatsächlichen Werten erkennbar. Insgesamt erfolge kein sparsamer Umgang mit der rheinischen Ressource Braunkohle. Es wurde angesprochen, ob und welche Verpflichtungen bezügliche Kohlemenge und Stromerzeugung bestehen.

In seiner nächsten Sitzung am 6. Juli 2010 möchte sich das Nachbarschaftsforum zu den Themen Arbeitsplätze bei RWE und die wirtschaftliche Bedeutung auf die Region sowie über das Kraftwerkserneuerungsprogamm, Geschichte und Zukunft austauschen.