Zu Besuch im Kraftwerk Niederaußem: Forum diskutiert im Informationszentrum

Bergheim, 8. Februar 2011. Das Nachbarschaftsforum Niederaußem hat beim sechsten Treffen das Kraftwerk Niederaußem besichtigt. Im Anschluss diskutierten die Forumsmitglieder im Informationszentrum am Innovationszentrum Kohle über die Abscheidung und die Nutzung von Kohlendioxid.

Die meisten Teilnehmer der Forumssitzung nutzten die Gelegenheit, einen Einblick in das Kraftwerk zu bekommen. Tilman Bechthold, Leiter des Kraftwerks Niederaußem, führte die Gruppe in den Leitstand, von dem aus drei Blöcke überwacht werden. Mit Hilfe der aktuellen Anzeigen im Leitstand beantwortete Bechthold die Fragen nach der Leistung und Auslastung der einzelnen Kraftwerksblöcke. Auf den Bildschirmen konnten die Teilnehmer zudem die Verbrennung des Kohlestaubs im Kraftwerk beobachten.

Beim Rundgang durch das Kraftwerk erhielt die Gruppe auch einen Einblick in den Maschinenraum, in dem Dampf in elektrische Energie umgewandelt und dann ins Stromnetz eingespeist wird. Außerdem begutachteten die Teilnehmer das Werk und seine Umgebung auf dem Kesseldach in einer Höhe von mehr als 160 Metern. Beim Rundgang erläuterte Bechthold der Gruppe die Technik der Wirbelschichttrocknung mit interner Abwärmenutzung (WTA), die in Niederaußem seit Ende 2008 erprobt wird. Mit dieser Technik werde die Kohle getrocknet, um dann bei der Verbrennung einen höheren Wirkungsgrad zu erzielen.

Bei der anschließenden Sitzung im Informationszentrum ging es ebenfalls um neue Technologien: Dr. Johannes Heithoff, Leiter des Bereichs Forschung und Entwicklung der RWE Power AG, erläuterte die Möglichkeiten, die Kraftwerkstechnik weiterzuentwickeln und Kohlendioxid abzuscheiden und zu nutzen. Ziel der Entwicklung sei es, den Wirkungsgrad zu steigern und die CO2-Emissionen zu mindern. Heithoff erläuterte, dass insbesondere für die  Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid die Akzeptanz in Deutschland fehle und entsprechende Projekte hierzulande derzeit nicht weiter verfolgt würden.

In Niederaußem gibt es laut Heithoff mehrere Projekte, die sich mit der Nutzung von Kohlendioxid befassen. Dazu verwies er insbesondere auf die Entwicklung einer Pilotanlage für CO2-Wäsche am Standort, die eine Bereitstellung von reinem Kohlendioxid ermögliche. In diesem Zusammenhang erläuterte Heithoff auch die Bestrebungen, neue Märkte zu erschließen und die Braunkohlenutzung im zukünftigen Energiemarkt zu integrieren. So gab er Beispiele, wie Kohlendioxid als Rohstoff genutzt werden kann.

Die Forumsmitglieder erkundigten sich auch nach der Strategie des Unternehmens hinsichtlich der CO2-Nutzung. Dazu erklärte Heithoff, dass RWE auch mit Blick auf die chemische Industrie ein Anbieter von Kohlendioxid sein wolle. So kann laut Heithoff in der chemischen Industrie das Kohlendioxid etwa zur Herstellung von Polymeren eingesetzt werden. Dazu wäre es theoretisch denkbar, dass das Kohlendioxid in der Region in chemischen Produktionsstätten eingesetzt werde.

Ein besonderes Anliegen war den Forumsmitgliedern auch die Frage nach dem Klimaschutz. Heithoff machte deutlich, dass Kohlendioxid sich unter anderem als Ersatz für andere Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas eigne. In der Stromwirtschaft komme Kohlendioxid darüber hinaus in Frage, um eine längerfristige Speicherung von regenerativer Überschussenergie in Form chemischer Energieträger zu ermöglichen.

In der kommenden Sitzung am Dienstag, 3. Mai 2011, befasst sich das Nachbarschaftsforum Niederaußem mit den Themen Landwirtschaft und Verschattung.