Nachbarschaftsforum Niederaußem tauscht sich zu Auswirkungen von Kühlturmschwaden und CO2-Nutzung aus



Bergheim-Niederaußem, 28. Januar 2015. Welche Auswirkungen haben Kühlturmschwaden auf die Landwirtschaft? Wie kann Kohlendioxid genutzt werden? Diese Fragen standen am Dienstag, den 27. Januar im Mittelpunkt der 20. Sitzung des Nachbarschaftsforums Niederaußem. Die Mitglieder informierten sich außerdem über den Stand in den Genehmigungsverfahren für BoAplus und erörterten aktuelle Themen.

Wie wirken sich Kühlturmschwaden auf die Landwirtschaft aus? Zu dieser Frage hatte das Nachbarschaftsforum Niederaußem Christian Koch vom Deutschen Wetterdienst (DWD) eingeladen, der die Ergebnisse der meteorologischen Messungen auf landwirtschaftlichen Flächen für den Zeitraum November 2013 bis Oktober 2014 vorstellte. Seit 2005 untersucht der DWD unter anderem Lufttemperatur, Globalstrahlung, PAR (Photosynthetisch Aktive Strahlung) und Niederschlagsmengen im Raum Neurath und Niederaußem. Das Fazit: „Die Messungen bestätigen die Ergebnisse des Vorjahres“, so Koch. Auch 2014 gäbe es im Vergleich zu früheren Erhebungen und zur Referenzstation in Fürth insgesamt nur geringe Unterschiede im Untersuchungsgebiet. Temperaturunterschiede seien geringfügig und abhängig der Wetterlagen gewesen. An wenigen Tagen seien kraftwerksbedingte Abschattungsereignisse zu verzeichnen gewesen, die Minderung der Globalstrahlung sei 2014 ähnlich zu der der Vorjahre. Auch im Vergleich zu den Strahlungswerten des Referenzortes Fürth gäbe es nur eine geringe Beeinflussung. (zur Präsentation) Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Abschattung für die Landwirtschaft generell kein Problem darstelle. Ein Mitglied äußerte die Befürchtung, dass die Abschattung nicht geringer würde, auch wenn die Kühltürme der 300-MW-Blöcke stillgelegt und ein Hybridkühlturm zum Einsatz komme. Das Forum resümierte, dass dies später anhand von Vergleichsmessungen geprüft werden könnte.

Niklas von der Assen vom Lehrstuhl für Technische Thermodynamik der RWTH Aachen gab Antworten auf die Frage, wie Kohlendioxid (CO2) mittels „Carbon Capture and Utilisation“ (CCU) abgeschieden und genutzt werden kann. Von der Assen erklärte, dass Kohlendioxid direkt beispielsweise in Feuerlöschern,  Kälte- oder Lösungsmitteln verwendet und umgewandelt in Kunst- und Baustoffen eingesetzt werden könne. Die Universität arbeite derzeit gemeinsam mit RWE und Bayer an einem Verfahren, das mit CO2 Schaumstoffe produziert. Herausforderung bei CCU sei die benötigte Energie, um CO2 abzuscheiden und in andere Produkte umzuwandeln. Auch wenn sich die Technologie noch im Entwicklungs- und Pilotstadium befindet, sieht von der Assen darin eine Chance: „CO2-Emissionen können vermieden werden, neue Kohlendioxid-basierte Materialien entstehen. Außerdem kann der Stoff als chemischer Energiespeicher für Erneuerbare Energien eingesetzt werden. Allerdings werde dadurch nicht die CO2-Frage gelöst.“ (zur Präsentation)

Weitere Themen des Forums

Dr. Hans-Peter Schiffer von RWE informierte die Forumsmitglieder zum aktuellen Stand des Genehmigungsverfahrens für das neue Braunkohlenkraftwerk am Standort Niederaußem (BoAplus). Ende November hat der Rat der Kreisstadt Bergheim der Änderung des Flächennutzungsplans sowie der Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 261/Na für einen Kraftwerksblock auf der Anschlussfläche Niederaußem mit großer Mehrheit zugestimmt. Ein Vertrag halte fest, dass die Kühltürme der 300-MW-Blöcke stillgelegt und Ausgleichsflächen gestellt werden sowie ein Hybridkühlturm zum Einsatz komme. RWE plane nun, in die weiteren technischen Genehmigungsverfahren, wie das förmliche Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG), einzusteigen. „Zuvor laden wir, als Vorhabenträger, alle interessierten Bürger im Rahmen einer frühen Öffentlichkeits-Beteiligung zum Dialog ein“, so Schiffer. Diese Veranstaltung werde dann in der lokalen Presse angekündigt.

Jörg Kerlen, RWE Power, erläuterte, wie das Unternehmen Reststoffe der Kohlekraftwerke nutzt. Gips beispielsweise würde von der Baustoffindustrie übernommen und Braunkohlenasche als Dünger eingesetzt. „Zudem arbeiten Partnerfirmen an Verfahren, um aus der Asche Rohstoffe wie Magnesium zu gewinnen“, erklärte Kerlen. In diesem Zusammenhang wies ein Forumsmitglied auf den Umweltausschuss im Rhein-Erft-Kreis hin, der sich am 11. Februar zum Thema Asche-Verwertung beschäftigen wird.

Darüber hinaus stellte Kraftwerksleiter Tilman Bechthold Maßnahmen zur Minderung der Lärmimmissionen an der Nord-Süd-Bahn (NSB) vor. RWE habe betriebliche und technische Vorkehrungen getroffen: So werde zum Beispiel zwischen 22 und 6 Uhr grundsätzlich der Grabenbunker nicht beliefert, auch Rangierbewegungen im Bahnhof Niederaußem werden in dieser Zeit vermieden. Neben der Begrenzung der Fahrgeschwindigkeit an einigen Streckenabschnitten würden Umbauten und Neuausstattungen der Fahrzeuge wie Flüsterbremsen und Absorber zur Lärmminderung beitragen. Da die Stumpfgleise eine geschobene Betriebsweise erforderten, müsse das Warnsignal eingesetzt werden – so schreibe es die Bergverordnung für Braunkohlenbergwerke vor. (zur Präsentation)

Das für die 20. Sitzung geplante Schwerpunktthema „Klimaschutzplan NRW“ wurde verschoben, da der angedachte Zeitplan zur Abstimmung im Kabinett und die Beschlussfassung durch den Landtag nicht gehalten wurde. Daher wird der Klimaschutzplan NRW voraussichtlich ein Thema der nächsten Forumssitzung am 20. Oktober 2015 sein – neben dem immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren nach dem BImSchG für BoAplus.

Im Nachbarschaftsforum sitzen Vertreter von Gemeinden, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen, Verbänden und Vereinen aus der Region an einem Tisch. Sie tauschen sich zu unterschiedlichen lokalen, aber auch übergreifenden Themen rund um das Braunkohlenkraftwerk Niederaußem aus und gehen offen mit Interessenkonflikten um.