Nachbarschaftsforum Niederaußem beschäftigt sich mit Netzausbau in Nordrhein-Westfalen und intelligenten Stromnetzen



Bergheim-Niederaußem, 16. Februar 2016. Energiewende in Deutschland – Was bedeutet das für den Ausbau der Stromnetze in Nordrhein-Westfalen? Und: Welche Rolle spielen dabei Smart Grids? Diese Themen standen im Mittelpunkt der 22. Sitzung des Nachbarschaftsforums Niederaußem am Dienstag, den 16. Februar. Die Mitglieder diskutierten darüber hinaus über aktuelle Themen.

Was bedeutet die Energiewende für den Netzausbau bundesweit und in Nordrhein-Westfalen? Zu dieser Frage hatte das Nachbarschaftsforum Niederaußem Dr. Andreas Preuß der Amprion GmbH zu seiner 22. Sitzung eingeladen. Der Pressesprecher des deutschen Übertragungsnetzbetreibers machte deutlich, dass die Übertragungsnetze aufgrund der Energiewende ausgebaut werden müssten. „Seit der Energiewende und dem Kernenergieausstieg wird immer mehr Energie im Norden Deutschlands produziert, die Verbrauchszentren aber liegen im Westen und Süden“, so Preuß. Um die Versorgungslücken zu schließen, müssten entweder Stromtransite mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) von Nord nach Süd gebaut oder Strom importiert werden. Er machte deutlich: Überlastungen des Netzes in weiten Teilen Deutschlands erfordern umfangreiche Gegenmaßnahmen.

Preuß informierte außerdem über aktuelle Leitungsbauprojekte in NRW und stellte darunter die 380 kV Wesel-Koblenz-Leitung sowie das erste bundesweite Erdkabel-Projekt vor, das Amprion derzeit im Münsterland umsetzt. Der Aufwand für Bau und Wartung bei Erdkabelleitungen sei deutlich höher als bei Freileitungen. So sei der Kabelgraben im münsterländischen Raesfeld über 20 Meter breit. Die Errichtungsaufwendungen für ein 380 kV-Erdkabel betragen etwa das sieben- bis achtfache der Aufwendungen einer Freileitung. Das Forum wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es auf der Website www.netzausbau.de Möglichkeiten zur Beteiligung am Netzausbau gebe. (zur Präsentation)

Weiteres Thema der Sitzung waren intelligente Stromnetze (engl. Smart Grids). Siegbert Kobus von RWE stellte unter anderem das Energiesystem in Deutschland und die Rolle der Verteilnetzbetreiber (VNB) vor. „Die Energiewende findet zu einem großen Anteil im Verteilnetz statt“, so Kobus. Dabei gehe es insbesondere darum, dass sich Verteilnetze zu Flächenkraftwerken entwickeln:  Energieerzeugungsanlagen, Speicher, Verbraucher, Übertragungs- und Verteilnetze werden zunehmend zusammengeschlossen und können durch Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) flexibel auf Angebot und Nachfrage reagieren. „Grundsätzlich sind Konzepte und Technologien vorhanden, um Smart Grids umzusetzen. So arbeiten wir als Teil der RWE-Gruppe bereits an zahlreichen Entwicklungen, wie zum Beispiel der Netzoptimierung durch Spannungsbandregelung und IKT, um vorhandene Kapazitäten auszureizen. Doch der Einsatz erfordert hohe Finanzmittel“, resümiert Ralf Spölgen, Westnetz GmbH, der abschließend einen Einblick in die aktuellen Aktivitäten gab. (zur Präsentation)

Weitere aktuelle Themen des Forums

Das Nachbarschaftsforum Niederaußem tauschte sich über den Stand des Genehmigungsverfahrens für das Braunkohlenkraftwerk am Standort Niederaußem (BoAplus) aus. Dr. Michael Wagner, Kraftwerksleiter am Standort Niederaußem, berichtete zum Scopingtermin: RWE finalisiere derzeit den Antrag und werde ihn voraussichtlich wie geplant im April einreichen.

Dr. Wagner informierte das Forum außerdem über alternative Wege, Braunkohle wirtschaftlich zu nutzen, beispielsweise im Bereich Chemie. Er stellte im Forum den Synthese-Versuchsstand Niederaußem vor, ein Gemeinschaftsprojekt von RWE, der Universität Darmstadt und ThyssenKrupp. Durch der Erweiterung des existierenden RWE-Katalysator-Teststands um die sogenannte Fischer-Tropsch-Synthese soll er die gesamte CtL-Kette (Coal to liquid) testen können. (zur Präsentation)

Weitere Themen, mit denen sich das Forum beschäftigte, waren neben der Braunkohle-Kraftwerksreserve und der damit verbundenen Vorlaufzeit von zehn Tagen zum Hochfahren des Kraftwerks, ein Gutachten der Ökopol GmbH zu Quecksilberemissionen sowie die Fahrfrequenz beim Transport zur Deponie Fortuna.

Die nächste Sitzung des Nachbarschaftsforums Niederaußem findet am 27. September 2016 statt.