Strukturwandel im Rheinischen Revier – Nachbarschaftsforum Niederaußem tauscht sich zu Herausforderungen und Chancen aus



Die Umsetzung nationaler und internationaler Klimaschutzziele wird das Rheinland verändern. Denn bis zum Jahr 2050 soll die Emission von Treibhausgasen um bis zu 95 Prozent vermindert werden. Damit gewinnen die Nutzung Erneuerbarer Energien und der Einsatz neuer Technologien stetig an Bedeutung. Dennoch wird auch in Zukunft konventionellen Kraftwerken eine wichtige Rolle für die Versorgungssicherheit zukommen.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung begleitet diesen Wandel im Rheinischen Revier, und RWE gestaltet ihn aktiv mit. Dem Nachbarschaftsforum Niederaußem stellten Heinz Weifels und Boris Linden von der Innovationsregion Rheinisches Revier GmbH (IRR) und Michael Eyll-Vetter, Leiter der Sparte Tagebauentwicklung bei RWE, diese Entwicklung vor. Das Forum hatte die Referenten zu seiner 24. Sitzung eingeladen.

IRR-Geschäftsführer Weifels erklärte, dass Strukturwandel in der Region Herausforderung und Chance zugleich sei: Das Rheinische Revier könne sich zu einer Modellregion entwickeln. Nennenswerte Potenziale gebe es zum Beispiel in Wirtschaft, Wohnen und Wissenschaft. „Wir haben 2015 einen Aufruf für Modellprojekt-Ideen gestartet. Beeindruckende 75 Projekte werden weiter verfolgt“, sagte Weifels. Sie umfassen unter anderem Bereiche wie lokale und regionale Energieversorgung der Zukunft, klimagerechte Dorf-, Stadt-, Regional- und Gewerbeflächenentwicklung sowie Rekultivierung und sanften Tourismus.

Wertvolle Impulse kamen von zahlreichen Bürgern, Kommunen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. „Das sind gute erste Schritte“, sagte Linden, „um erfolgreich Lösungen für die Zukunft einer weiterhin attraktiven Region zu entwickeln“. Derzeit werden verschiedene Projektvorschläge weiter ausgearbeitet, um zusätzliche Strukturfördermittel in die Region zu holen. Die Zusammenarbeit aller Partner sei wichtig. „Denn Innovation geschieht vor allem an Schnittstellen“, sagte Linden.

RWE engagiert sich aktiv in der IRR sowie in weiteren regionalen Verbünden. Michael Eyll-Vetter stellte den Beitrag von RWE für die Zukunft der Innovationsregion und der hier lebenden und arbeitenden Menschen vor. „Wir bringen in die Projekte unsere Expertise im Energiebereich, in der Flächenentwicklung und Rekultivierung mit ein“, sagte der Leiter Tagebauentwicklung. RWE erweitert außerdem kontinuierlich seine Kompetenzen, gerade auch in Zukunftsthemen. „Dazu gehört, dass zurzeit mehr als 430 junge Menschen bei RWE in zwölf Berufen ausgebildet werden“, sagte Eyll-Vetter.

Die stoffliche Nutzung der Braunkohle könnte in Zukunft eine größere Rolle spielen. Jörg Kerlen, Leiter Regionale Kontakte und Energiepolitik bei RWE Generation, stellte die Synthese als eine mögliche Technologie vor: Im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Gemeinschaftsprojekts „Fabiene“ etwa erproben und optimieren RWE Power, ThyssenKrupp Industrial Solutions AG und die Technische Universität (TU) Darmstadt die Synthese verschiedener Produkte aus rheinischer Braunkohle. Dazu zählen unter anderem Wachse, Treibstoffe und Vorprodukte für Farben und Klebstoffe. „Wir bekommen die Möglichkeit, Braunkohle in zahlreiche Produkte zu verwandeln, die man mit Kohlenstoff herstellen kann“, sagte Kerlen. Damit könne die Braunkohle zum wertvollen Rohstofflieferanten für die chemische Industrie werden.

Die Mitglieder des Forums betonten, dass in der Region grundlegende Bedürfnisse der Menschen nicht aus dem Blick verloren werden dürfen. Dazu gehören Wohnen genauso wie Ausbildung, Arbeit und Infrastruktur. Um diese Ansprüche mit dem Ziel einer hohen Innovationskraft in eine gute Balance zu bringen, müssten alle Beteiligten gemeinsame Lösungsansätze finden und diese auch gemeinsam tragen. Das gelinge dann am besten, wenn Land, Kreise, Kommunen und Unternehmen der Region im engen Dialog miteinander kooperieren.

Weitere aktuelle Themen des Forums

Das Nachbarschaftsforum informierte sich über den Stand des Genehmigungsverfahrens für das Braunkohlenkraftwerk am Standort Niederaußem (BoAplus). Kraftwerksleiter Dr. Michael Wagner sagte, das Vollständigkeitsprüfungsverfahren laufe noch. RWE hatte im Juli 2016 den Antrag zur Genehmigung gemäß des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) eingereicht.

Zu den weiteren Themen, mit denen sich das Forum beschäftigte, gehörte die Versorgungssicherheit. Jörg Kerlen unterstrich, wie notwendig dabei die Verfügbarkeit konventioneller Kraftwerke ist. Als Beispiel diente ihm der Januar 2017: In diesem Monat gab es einige Tage mit sehr geringer Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien. Nur der Einsatz konventioneller Kraftwerke konnte in dieser Situation den Energiebedarf Deutschlands sicher abdecken.

Die nächste Sitzung des Nachbarschaftsforums Niederaußem findet am 10. Oktober 2017 statt.